Im folgenden dokumentieren wir, Presseartikel über die Treffen der Ludendorffer und den Protest dagegen

2010

„Heilbringende Rassereinheit“

Die „Lebenskunde“-Philosphie von Mathilde Ludendorff erfreut sich in der rechtsextremen Szene großer Beliebtheit. Der rassistische „Bund für Gotterkenntnis“ fungiert als ideologischer Sammelpunkt für ganze Familienverbände.

Mathilde Ludendorff scheint wieder „in“ in der Szene. Für 6,80 Euro gibt es ein Wandplakat mit ihren „deutschen Mahnworten“ beim extrem rechten „Lesen und Schenken“-Verlag von Dietmar Munier aus Martensrade. Ihr Gedicht „Sei deutsch!“ wird von „Freies Nordhausen“, dem „JVA-Report“ bis zum „Aktionsbündnis Ostfriesland“ als Verhaltenskodex gehandelt. Bei der NPD hat die 1966 verstorbene Ärztin und selbst ernannte Philosophin sogar Einzug in die Grundsatz-Definierung gehalten. So wird unter dem Schlagwort „Volk“ ihre Sichtweise des Begriffs als naturgegeben und biologisch bedingt aufgegriffen und zitiert: „Völker sind potenziell unsterblich“.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann General Erich von Ludendorff sammelte sie seit den 20er Jahren Anhänger im „Bund für Gotterkenntnis“. Die Ludendorffs galten zunächst als Anhänger des Nationalsozialismus, überwarfen sich dann aber mit Hitler. Ihre antisemitische, verschwörungstheoretische Weltanschauungslehre wurde vom NS-Regime jedoch als „dritte Konfession“ geduldet. Als Ludendorff starb, wurde 1937 ein Staatsbegräbnis angeordnet. Nach Kriegsende wurde seine Witwe in einem Entnazifizierungsverfahren als „belastet“ eingestuft. Dennoch gründete sie 1951 den „Bund für Gotterkenntnis – Ludendorff“ neu. Neben Tagungen und Vorträgen ging es vor allem um Jugendtreffen und rituelle heidnische Feiern. Wegen Verfahrensfehlern wurde ein 1961 ausgesprochenes Verbot durch ein bayerisches Verwaltungsgericht 1977 wieder aufgehoben. Seit Jahren gilt die braune Hintergrund-Organisation in einigen Bundesländern wieder als Beobachtungsobjekt. Ihre Hauptaktionsschwerpunkte scheinen die Ludendorffer zur Zeit vor allem in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein zu haben. Vorträge finden demnächst mehrfach in Minden und Dresden statt.

Unter dem Tarnmantel „Arbeitskreis für Lebenskunde“ stehen auch für 2010 unter anderem wieder eine „Erziehertagung und Familientreffen“, Jugend- und Familienlager, philosophische Schulungen und eine „Volkstumsfahrt“ nach Schweden an. Traditionell treffen sich 100 bis 200 Anhänger jedes Jahr über die Ostertage in Dorfmark in der Lüneburger Heide. In Baden-Württemberg und in Brandenburg betreibt die rassistische Gruppe Tagungshäuser. Im Nordwesten Niedersachsens liegt zudem die „Ahnenstätte Hilligenloh“, von Ludendorff 1932 als privater Friedhof eingeweiht.

Nach Erkenntnis des Brandenburger Verfassungsschutzes propagiert der „Bund für Gotterkenntnis“ Lehren, „die als rechtsextremistisch gelten müssen“. Auch bestehen seit Jahren zahlreiche Kontakte ins völkische, neurechte und radikalere Lager. Manche Autoren des Ludendorffschen Blattes „Mensch und Maß“ gelten als Vielschreiber wie unter anderem Elke und Gundolf Fuchs, deren Kommentare und Leserbriefe auch in NPD- und Kameradschaftskreisen gelesen werden. Falko Gramse, pensionierter Verkehrsrichter und fleißiger Schreiber in „Mensch und Maß“, hatte 24 Jahre lang als Dozent an der Berliner Landespolizeischule referiert, bis er 2007 nach einem bnr-Bericht von seiner Lehrtätigkeit entbunden wurde.

„Die Pflege der arteigenen Sitten“

In der extrem rechten Bewegung fungieren heidnisch geprägte Religionsgemeinschaften wie die „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“, Heidengruppen oder eben der „Bund für Gotterkenntnis – Ludendorff“ als ideologische Sammelpunkte für ganze Familienverbände. Einer Überalterung wird mit schwerpunktmäßiger Einbeziehung des Nachwuchses vorgebeugt. Bei der Ostertagung in Dorfmark tummeln sich jedes Jahr Jungen in Knickerbocker-Hosen und Mädchen mit Zöpfen und Dirndl-Kleidern. Demnach gehören zur Brauchtumspflege und der „Selbst- und Volkserhaltung“ zunächst die „Stärkung des Selbstbewusstseins und des Gemeinschaftssinnes“ sowie Kenntnisse über eine gesunde Lebensweise und „die Naturgesetze“. Wesentlicher Teil der Doktrin nach Mathilde Ludendorff sei die Einsicht, dass der Mensch „das Göttliche“ erleben kann. Heil brächte dabei „die Erhaltung der Rassereinheit und die Pflege des arteigenen Gotterlebnis, der arteigenen Kunst, arteigener Sitten“.

In der rechten Szene wird jedoch nicht nur auf die „Lebenskunde“-Philosophie Bezug genommen, sondern Mathilde Ludendorff auch als Autorin diverser Erziehungsschriften verehrt. In ihrem Buch „Der Kindes Seele und der Eltern Amt“ von 1938 huldigt sie ihren Elite- und Rassevorstellungen, spricht sich aber klar gegen Drill und Zwang bei den Erziehungsmethoden ihrer Zeitgenossen aus. „Am besten entfaltet sich das Kind noch bei jenen sein Wesen verkennenden Erziehern, die nur ein kleines, recht anspruchsvolles, hungriges Säugetierchen in ihm sehen. Es wird dann körperlich gut versorgt und seelisch meist in Ruhe gelassen und deshalb zum mindesten nicht geschädigt“. Ludendorff empfiehlt ihren Anhängern, „das Elternamt“ nicht vor dem 20. Lebensjahr, aber auch nicht nach dem 30. anzutreten. Sie lehnt die „Aufzucht altkluger Vielwisser“ ab und verachtet Erwachsene, die sich an den „Tollspielen“ der Kinder beteiligen und sie so aus dem „Kinderparadies“ phantastischer Spiele vertreiben würden. Auch könnte durch die „tolle Ausgelassenheit“ das Achtungsverhältnis des Kindes den Eltern gegenüber leiden, das störe dann die „Aufzucht“.

„Reinblütige Kinder“ zur Sicherung der Volkserhaltung

Im Kapitel „Wegweiser zum Wissen“ vermittelt Ludendorff ihre Ansicht, Wissen komme durch die Eltern, Schule und Staat könnten nur Versäumtes nachholen. Verächtlich macht sie sich über christliche Erziehung her, bei der die Gleichheit der Menschen gepredigt und nichts über die Unterscheidung der „Rassen“ gelehrt würde. „Seht sie Euch doch an, diese armen, so schlecht beratenen Christenkinder, wenn sie in den Schulpausen miteinander plaudern. Da wünscht sich das Kind, das zehn Jahre später den Gatten wählt und dann darüber entscheidet, ob es Bastarde oder Deutsche unter seinem Herzen trägt, allen Ernstes schwarze Haare statt blonder, ein anderes aber wünscht sich wieder blaue Augen statt dunkle, und alle halten dies für eine ganz äußerliche Angelegenheit, so etwa wie die Farbe des Kleides“. Entsprechend „solcher schauerlichen Aufzucht“ sei dann auch die „Gattenwahl“. Als Ludendorffs Idealbild erscheinen „reinblütige Kinder“, die nach dem „sittlichen Gesetze der Reinheit“ die Volkserhaltung sichern würden.

Der bundesweit wirkende „Arbeitskreis Lebenskunde“ greift diese gefährliche Pädagogik auf, tarnt sich aber vor allem mit einem nicht-autoritären Anschein. Auf der Homepage heißt es: „Daher dürfen wir den Kindern und Jugendlichen im Ferienlager nur Vorbild sein, niemals aber von ihnen ein bestimmtes moralisches Verhalten verlangen.“
Blick nach Rechts – 21. 01. 2010 – Andrea Röpke

2009

In Dorfmark nichts Neues – Einheimische beschimpfen junge Demonstranten gegen rechts
Von Stefan Schölermann und Christine Kröger
Dorfmark. In Dorfmark nichts Neues: Als im vergangenen Jahr Teilnehmer eines internationalen Jugendcamps der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen nach Dorfmark (Kreis Soltau-Fallingbostel) kamen, um gegen das „Ostertreffen“ der antisemitischen und rassistischen „Ludendorffer“ in der 4000-Seelen- Gemeinde zu protestieren, bezeichneten Einheimische sie als „Kanaken“ und „Affen“. Gestern bekamen junge Leute wieder ganz Ähnliches zu hören: „Ihr kommt wohl aus dem Irrenhaus.“ Tatsächlich kamen die jungen Leute aus mehr als zehn Nationen aus der nahen KZGedenkstätte Bergen-Belsen, in der sie sich mit Themen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit beschäftigt hatten. Dort waren auch die Ausfälle in Dorfmark diskutiert worden, die vor einem Jahr bundesweit für Schlagzeilen sorgten. In diesem Jahr war der Empfang nicht freundlicher, als die Jugendlichen mit ihren bunten Transparenten erschienen. Ein Anwohner herrschte sie an: „Ihr seid mir zu laut. Wenn ihr so weitermacht, lasse ich die Hunde los.“ Die „Ludendorffer“ hingegen fühlten sich nach eigenem Bekunden in Dorfmark bestens aufgehoben: „Wir kommen seit 35 Jahren und wissen, dass wir hier viele Freunde haben“, sagte einer in der Tagungsstätte Hotel „Deutsches Haus“. Zumindest bei den Wirtsleuten aber schien die Stimmung doch etwas angespannt.Zum ersten Mal hatten sie an der Eingangstür ein Schild angebracht: „Geschlossene Gesellschaft. Bund für Gotterkenntnis e.V.“. Als ein junger Mann dieses Schild fotografieren wollte, griff der Wirt ihm an die Kehle. „Bund für Gotterkenntnis“ nennen sich die „Ludendorffer“ offiziell. Ihr „Ostertreffen“, zu dem sie aus dem ganzen Bundesgebiet anreisen, ist für die Hotels und Pensionen der Region offenbar ein willkommenes Zubrot. Gestern jedenfalls waren es überwiegend Menschen aus anderen Orten , die vor dem „Deutschen Haus“ gegen die „Ludendorffer“ protestierten. Nicht nur die rund 80 jungen Leute aus dem Jugendcamp in Bergen-Belsen empfanden das „Ostertreffen“ der Gruppe als Provokation, rund 40 Teilnehmer einer Mahnwache sahen das ganz genauso. Sie hatten sich am Nachmittag vor dem Tagungslokal postiert. Nur ein knappes Dutzend von ihnen aber wohnt in Dorfmark. Auf Initiative des niedersächsischen Landespräventionsrates hatten sich schon vor Monaten örtliche Vereine und Verbände zusammengeschlossen, die die „Ludendorffer“ nicht mehr unter sich haben wollen. Doch dieser Zusammenschluss ist über ein „Bündnis in Gründung“ nicht hinausgekommen. Diese Kritiker hatten vor den Ostertagen mit verschiedenen Veranstaltungen vor den Gefahren des Extremismus gewarnt, doch von den Protesten vor Ort hielten sie sich gestern fern, „um Konfrontationen zu vermeiden“. So überließ die Mehrheit der Dorfmarker gestern erneut denjenigen Einheimischen das Feld, die aus ihrem Rassismus keinen Hehl machten – und denen auch eine Berichterstattung über ihre Pöbeleien offensichtlich ungelegen kam: „Wenn du das nicht lässt, haue ich dir dahin, wo es dir weh tut“, wurde ein Kameramann angeschrieen. Und eine Journalistin musste sich von einem Besucher des „Deutschen Hauses“ als „Gesindel“ beschimpfen lassen.
Der Autor Stefan Schölermann ist Redakteur bei NDRInfo
Weser Kurier 11.04.09

Youth against racism (The Demonstration)

One of my favourite parts of the camp is when we go to make demonstration against the Ludendorffer in a small village a few kilometers away from Oldau.The demonstration is organisied mainly by Charly and the contemporary group they prepare the banners and the poster for the protest.We went to tour the military area first before the demonstration,the training area is said to be the biggest and the most modern in Europe.After learning about the military area we all got our voices ready for the demonstration.We learnt a few songs along the way to make sure that we draw the attention of the residences of the village and the Ludendorffers.Because it was Good Friday we were not allowed to make a lot of noise ,the drum that we had brought was confiscated and we were told that we have to walk on the pavement instead of the streets.Dissppointed but still motivated we carried our bright banners on the pavement silently as we marched to the hotel where the Ludendorffer were having their meeting.We got to the hotel and there was another group of young people protesting this is impressive because this means that the youth in Germany are aware of what is still happening in their country .After singing for a couple minutes we were told to be silent until the police give us a go ahead.During the break, the residence of Dofmark provided refreshments for us to make sure that our energy levels are up which i think was quite nice.The police finally gave us the go ahead we sang louder than before ‚Youth against racism‘,'if you hate the nazis clap your hands‘,these are some the songs that we were singing. A few minutes later we had to go back because our time was up we left the hotel pavement shouting and singing waving our banners up high.Everyone in the streets was looking with amazement at what we were doing pedestrians jumping out of the way as we approached and people in the coffee shop stopping their conversation as we shouted and demonstrated.We got to the bus and we were satisfied with the job that we had done.
Internationales Jugendworkcamp Bergen-Belsen

Rechtsextreme quartieren sich in Dorfmark ein
Von Stefan Schölermann
Dorfmark. „Alle Zimmer belegt“ – Gemeinden können sich in der Regel glücklich schätzen, wenn zu Ostern dieses Schild von guten Umsätzen der Hotels und Pensionen künden. Auch in der 4000 Seelen-Gemeinde Dorfmark (Kreis Soltau-Bad Fallingbostel) wird man diese und ähnliche Schilder sehen können. Doch nicht jeder wird froh darüber sein. Für Umsätze sorgen Angehörige einer antisemitischen Organisation, die es seit mehr als dreißig Jahren zum Osterfest nach Dorfmark zieht: der sogenannte „Bund für Gotterkenntnis“, im Volksmund auch die „Ludendorffer“ genannt. Rund 200 Angehörige dieser Gruppierung sind es, die sich in Dorfmark über „Rassefragen“ austauschen wollen. Viele Jahre lang hat kaum jemand in der Gemeinde Anstoß an dem Erscheinen der „Ludendorffer“ genommen. Vielen Gastwirten waren sie ein willkommener Umsatzbringer nach den touristisch mageren Wintermonaten. Im vergangenen Jahr aber war es zum Eklat gekommen, als Angehörige eines internationalen Jugendcamps aus der nahen Gedenkstätte Bergen-Belsen in Dorfmark gegen das Erscheinen dieser Gruppierung protestierten. Die jungen Leute, unter ihnen die Nichte des südafrikanischen Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela, mussten sich von Dorfmarkern rassistische Sprüche anhören. Es fielen Sätze wie „Sprich doch mal deutsch hier, du dummer Sack, wir sind doch in Deutschland“ oder „Kanaken geht lieber arbeiten“. Äußerungen, die deutlich machten, auf wessen Seite mancher Dorfmarker steht. Das Geschehen sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Besonnene wollten keine Wiederholung des Geschehens und gründeten ein „Bündnis für Demokratie und gegen Extremismus“. Federführend war dabei der niedersächsische Landespräventionsrat, der das Thema nach den spektakulären Vorfällen auf seine Agenda setzte. Präventionsratsmitglied Gerhard Bücker holte Sportvereine, Kirchen, Gewerkschaften und sogar die Kommune ins Boot. Informationsveranstaltungen zum Thema Rechtsextremismus wurden organisiert, der kirchliche Gemeindebrief veröffentlichte „Thesen gegen Rechtsextremismus aus christlicher Sicht“, der Sportverein schickte seine Jugendmannschaften in T-Shirts auf den Fußballplatz, die mit einem Aufdruck für Toleranz und gegen Extremismus warben. Also alles gut in Dorfmark zu Ostern 2009? Gewiss nicht. Rund 120 „Ludendorffer“ werden trotz aller Gegeninitiativen in Hotels und Pensionen der Gemeinde über Ostern Quartier beziehen. Mancher Gastwirt verweist auf die dringend benötigten Einnahmen. Ein Argument, dass Hotelbetreiber aus dem Umland für unglaubwürdig halten. „Wer seinen Betrieb nur mit den Einnahmen von drei oder vier Übernachtungen zu Ostern über Wasser halten kann, bei dem stimmt etwas nicht im Betrieb“ , sagt Zimmervermieter Heiko Bostelmann aus dem nahen Bad Fallingbostel. Weil sie das Erscheinen der „Ludendorffer“ in Dorfmark nicht akzeptieren wollen, werden einzelne Mitglieder des Bündnisses mit einer Mahnwache vor dem Tagungszentrum des „Bundes für Gotterkenntnis“ morgen protestieren. „Den Ludendorffern muss direkt klargemacht werden, dass sie in Dorfmark unerwünscht sind“, sagt Horst Kröger. Dorfmarks Bürgermeister ist kein Freund direkter Konfrontationen. „Wir werden weiter daran arbeiten, dass dieser Personenkreis hier nicht mehr erscheint. Aber wir wollen nicht mit dem Kopf durch die Wand, wir wollen Veränderung im Kopf“, sagt Rainer Schmuck. Und das dauere bekanntlich etwas länger.
Weser Kurier 09.04.2009

2008

Rechte Pöbeleien vorm „Deutschen Haus“
Sie kamen aus aller Herren Länder, auch eine Nichte Nelson Mandelas war in das Heidedorf gereist. Doch der Empfang war alles andere als freundlich. Aufgebrachte Dorfbewohner zeigten der dunkelhäutigen Frau den Stinkefinger. „Kanaken raus“, brüllten sie. Und: „Schade, dass die Nazis nicht mehr am Ruder sind.“

Klatschend und tanzend in Dorfmark: Die Demonstration einer internationalen Jugendgruppe sorgte für einen Eklat.
Die Schmährufe galten einer Gruppe von 70 Jugendlichen unterschiedlicher Hautfarbe, die nach Dorfmark (Kreis Soltau-Fallingbostel) gekommen waren, um gegen die Ostertagung einer Vereinigung zu protestieren, die sich „Bund für Gotterkenntnis“ oder schlicht „Ludendorffer“ nennt.
Die „Glaubensgemeinschaft“ hält die rassistischen Ideen Mathilde Ludendorffs in Erinnerung, der 1966 verstorbenen Witwe des gleichnamigen Generals und Kampfgefährten Adolf Hitlers, die vor Rassenvermischung warnte und Juden als „Blutegel am Volksgut“ bezeichnete.
Doch bei ihrer Demonstration trafen die Jugendlichen nicht auf die Ludendorffer, sondern auf einheimische Dorfmarker. Und die stellten sich vor die Tagungsteilnehmer und schleuderten den Demonstranten ihre ganze Wut und Verachtung entgegen.
Die Jugendlichen waren aus zehn Ländern nach Deutschland gekommen, um sich über den Holocaust zu informieren – aus Israel, den Niederlanden, Osteuropa und aus Südafrika. Die Gruppe aus Südafrika wurde betreut von Pumeza Mandela, einer Nichte des früheren Präsidenten.
Bei einem Workcamp auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen hatten sie sich auf Spurensuche begeben. Am vorletzten Tag ihres Deutschlandaufenthaltes aber waren sie dann nach Dorfmark gekommen, um sich der Gegenwart zuzuwenden.
„Youth against racism“ (Jugend gegen Rassismus) skandierten sie, während sie sich klatschend und tanzend über die Dorfstraße bewegten.
„Wir sprechen hier deutsch, wir sind hier in Deutschland“, brüllten ihnen da einige Dorfmarker zu. Und einer der Dorfbewohner zeigte Pumeza Mandela den Stinkefinger und rief: „Geh lieber arbeiten, Kanake.“ Die Polizei hatte zuvor acht schwarz gewandeten Neonazis einen Platzverweis erteilt – „Autonomen Nationalisten“ aus dem Nachbarort Soltau, die von einem Informationsstand der örtlichen SPD angelockt worden waren, die ebenfalls gegen die „Ludendorffer“ protestierte.
Die Pöbeleien der Dorfbewohner gegen die Workcamp-Gruppe dagegen werden im Polizeibericht als „Unmutsäußerungen“ abgetan.
Ihren „Unmut“ äußert auch Ingrid Koch. „Für uns sind die ‚Ludendorffer‘ gern gesehene Gäste“, sagt die Hotel-Managerin des „Deutschen Hauses“. „Die halten hier seit 1970 ihre Tagung ab und haben mit Hitler und Fremdenfeindlichkeit nichts im Sinn.“ Der ganze Ort profitiere von der Ostertagung der 100 bis 120 Gäste, die Jahr für Jahr nach Dorfmark kämen.
Entsprechend groß sei nun der Widerstand gegen die Demonstranten gewesen. „Sie spüren, das ‚Deutsche Haus‘ wird angegriffen“, sagt Ingrid Koch. „Und die Dorfmarker stehen zum Deutschen Haus.“ Die „Kanaken raus“-Rufe lehne man selbstverständlich ab. „Davon distanzieren wir uns. Wir sind ein internationales Hotel, bei uns ist jeder gern gesehen, egal, welcher Hautfarbe oder Nationalität.“
Deutlicher distanziert sich der stellvertretende Bürgermeister Steffen Ahrens von den rechten Pöbeleien in seinem Dorf. „Das ist schon sehr schlimm“, sagt der Sozialdemokrat. „Dadurch entsteht der Eindruck, dass Dorfmark ein braunes Nest ist – ein Eindruck, der nicht den Tatsachen entspricht.“
Die Dorfmarker hätten sich an die Treffen der „Ludendorffer“ schlicht gewöhnt, sagt Ahrens. Um sie aus ihrer Gleichgültigkeit herauszureißen, habe die SPD einen Infostand errichtet. „Da müssen wir einfach Stellung beziehen.“
Pumeza Mandela ist mittlerweile wieder nach Südafrika zurückgekehrt. Die Eindrücke ihres Deutschlandaufenthalts sind durch den Dorfmark-Besuch deutlich eingetrübt. „Das hat mich schon entsetzt“, sagte die 34-Jährige vor ihrer Heimreise: „Das hätte ich nicht erwartet.“
HAZ online 24.03.08

«Jugend gegen Rassismus»
Eine internationale Jugendgruppe, zu der auch die Nichte des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela gehörte, ist am Karfreitag in Dorfmark bei Walsrode mit ausländerfeindlichen Sprüchen beschimpft worden. Die nach eigenen Angaben 72 Teilnehmer eines Workcamps an der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen hatten gegen ein Treffen des rechtslastigen, deutschvölkischen Vereins «Bund für Gotterkenntnis» (Ludendorffer) protestiert. Dabei seien Jugendliche unter anderem mit «Kanake, geh arbeiten» angepöbelt worden, sagte Jan-Hinnerk Scholljegerdes von der Arbeitsgemeinschaft Jugendarbeit in Bergen-Belsen am Sonntag dem epd. Nach Polizeiangaben beteiligten sich insgesamt 130 Personen an der Kundgebung, die ein Aktionsbündnis angemeldet hatte. Die Polizei spricht von «Unmutsäußerungen gegen Demonstranten durch wenige Dorfmarker». Die Teilnehmer des Ludendorff-Treffens hatten nach Beobachtungen von Scholljederdes ihre Tagungsgaststätte nicht verlassen. Der völkisch-deutschgläubig orientierte Bund für Gotterkenntnis tagt seit 30 Jahren zu Ostern in Dorfmark. Der Verein hat seine Wurzeln in Organisationen um Mathilde (1877-1966) und Erich Ludendorff (1865-1937). Der Bund wird von den Verfassungsbehörden als rechtsextrem eingestuft und war zwischen 1961 und 1977 verboten. Die Polizei hatte ihren Angaben zufolge im Vorfeld der Kundgebung gegen die Tagung acht Platzverweise gegen junge Männer aus dem rechten Spektrum ausgesprochen. Die Jugendlichen vom internationalen Workcamp hätten vor der Gaststätte mit Tanz sowie südafrikanischen und israelischen Gesängen gegen Rechtsextremismus protestiert, sagte Scholljegerdes. Sie hätten unter anderem «Jugend gegen Rassismus» gerufen. Stärker als die Beleidigungen habe sie jedoch beeindruckt, dass sie und die anderen Demonstranten deutlich gegen rechtsextreme Positionen Stellung bezogen hätten. Die Jugendlichen aus Südafrika, Israel, den Niederlanden und Polen hatten zehn Tage lang auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen nach Spuren der Vergangenheit geforscht. Ziel des regelmäßig von christlichen und gewerkschaftlichen Jugendorganisationen organisierten Camps ist die Völkerverständigung.
epd 03.08

Toleranz der anderen Art
Es gibt Themen, über die redet der Vorsitzende der Dorfmark-Touristik, Richard Nessel, gerne. Zum Beispiel über die Frage, wie weltoffen die 3900 SeelenGemeinde im Landkreis Soltau-Fallingbostel ist: „Dorfmarken sind tolerant. Hier ist jeder willkommen. Egal, ob er schwarz ist oder rot, ob er grün ist oder blau – solange er sich ordentlich benimmt“, sagt der pensionierte Oberstleutnant der Bundeswehr.
Die Wirklichkeit sieht anders aus.
„Kanaken haut ab – geht lieber arbeiten“,
„Sprich Deutsch, Du Pisser! Du bist hier schließlich in Deutschland“.
Mit diesen und anderen Beleidigungen empfangen Dorfmarken Bürger am Karfreitag die Teilnehmer eines internationalen Workcamps aus dem ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen: junge Leute zwischen 16 und 27 Jahren aus zehn Nationen – unter ihnen die Nichte des Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela.
Sie sind an diesem Tag nach Dorfmark gekommen, weil sie sich einer Protestaktion anschließen wollen, zu der die örtliche SPD aufgerufen hatte. Der Protest richtet sich gegen eine Glaubensgemeinschaft, die mehrfach in Verfassungsschutzberichten erwähnt wurde, und die dennoch seit Jahrzehnten auf die Toleranz der Dorfmarken setzen kann. Die Gemeinschaft heißt offiziell „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e. V.“ und beruft sich auf die rassistischen und antisemitischen Schriften der verstorbenen Mathilde Ludendorff. In diesen Schiften werden die Juden als
„Blutegel am Volksblut“ bezeichnet, .Rassemischung“ als „Seelenmord“ gegeißelt.
Die „Ludendorffer“, wie die Anhänger des Bundes genannt werden, fühlen sich offenkundig wohl in der Gemeinde Dorfmark. Alle Jahre wieder lädt die Organisation ihre Mitglieder zum Ostertreffen hierher ein, seit mehr als dreißig Jahren.
„Damit muss endlich Schluss sein“, sagt Nicole Ahrens vom SPD-Kreisverband Soltau-Fallingbostel. Die 35-Jährige hat die Protestkundgebung angemeldet. Etwa 70 Gleichgesinnte sind ihrem Aufruf gefolgt: SPD-Mitglieder, Gewerkschafter und junge Leute. Demonstriert wird vis ä vis der traditionellen Tagungsstätte der „Ludendorffer“, dem Hotel „Deutsches Haus“.
Mit der Ankunft der jungen Leute aus Bergen-Belsen in Dorfmark verdoppelt sich die Zahl der Demonstrationsteilnehmer.
Mit der vom Touristikchef gepriesenen Toleranz der Dorfmarken aber ist es jetzt vorbei: Einige zeigenden „Stinkefinger“, als die dunkelhäutige Delegation aus Südafrika vorbeikommt, andere machen Affengeräusche. Einer zeigt ganz deutlich, wem seine Sympathie gilt: „Schade, dass die Nazis schon weg sind“, ruft er den Demonstranten entgegen. Keiner der umstehenden Dorfmarken macht Anstalten, dem Mann auch nur zu widersprechen.
Auch den „Ludendorffern“ sind die Proteste nicht entgangen, einige kommen aus dem Hotel und beginnen zu fotografieren. Ein älterer Herr, der sich selbst als „Ludendorffer` bezeichnet, legt ein Verhalten an den Tag, das von Angehörigen der neonazistischen Szene bekannt ist: Er macht reihenweise Portraitfotos von Demonstranten und Journalisten. Auf die Frage, was er mit den Fotos wolle, sagt er drohend: „Das werden Sie schon erleben.“
An den Campteilnehmern aus BergenBelsen gehen die Beschimpfungen nicht spurlos vorüber. Der 28 Jahre alte Arne Hilbig aus Bad Fallingbostel sagt: „Gerade wenn man sich tagelang mit den Folgen von Rassismus im Dritten Reich beschäftigt hat, dann wühlen solche Pöbeleien ganz schön auf. “ Die 34 Jahre alte Nichte Nelson Mandelas, Pumeza Mandela, fügt hinzu: „Wir sind alle Menschen – egal, welche Hautfarbe wir haben. Ich lasse mich von solchen Beschimpfungen nicht abhalten, gegen Rassismus auf die Straße zu gehen.“
Anlass dafür gibt es in Dorfmark offenbar auch in Zukunft: Niemand zweifelt ernsthaft daran, dass die„ Ludendorffer“ auch im kommenden Jahr ihre Ostertagung hier abhalten werden. Und manchem sind sie hochwillkommen. Nach Berechnungen der Dorfmark-Touristik haben die „Ludendorffer‘ den Hotels, Pensionen und privaten Zimmervermietern in den vergangenen Jahrzehnten rund 30000 Übernachtungen beschert. Für die Managerin des Hotels .Deutsches Haus“, Ingrid Koch, sind sie die, erste wichtige Einnahmequelle der Saison“.
Dem SPD-Kreisvorsitzenden und früheren Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil ist diese Argumentation zu schlicht: „Das Gefährliche an den Ludendorffern‘ ist, dass man nicht auf den ersten Blick erkennt, welche menschenverachtenden Ansichten sie vertreten“, sagt Klingbeil. Ein Thema, von dem Nessel von der DorfmarkTouristik nicht gerne spricht. Sein Verband sei eine ,.unpolitische Vereinigung und schaue den Gästen nicht in den Kopf“
Weserkurier 23.03.08

Ein paar Pöbeleien und Platzverbote
Ein paar gegenseitige Pöbeleien und Platzverweise gegen eine kleine rechte Gruppe: Es bleibt an diesem Karfreitag ruhig bei der Veranstaltung „Aufklärung über die Inhalte der Ludendorffer-Philosophie“ in der Dorfmarker Ortsmitte. Auch als rund 70 junge Leute aus dem Workcamp Bergen-Belsen (mit dabei: die Nichte von Nelson Mandela, WZ berichtete) mit Plakaten anmarschieren und „Youth against Racism“ – Jugend gegen Rassismus – skandieren, hat die stark aufmarschierte Polizei alles im Griff. Und dennoch ist Dorfmark (wieder einmal) auch überregional in den negativen Schlagzeilen.
Dorfmark. Die wenigen Einheimischen, die sich zu der Info-Veranstaltung gesellen, organisiert von einem Bündnis unter anderem aus Gewerkschaften und SPD, haben gemischte Gefühle: „Die Ludendorffer kommen seit Jahrzehnten hierher und bisher war es immer friedlich. Jetzt werden mit dem Protest gegen sie auch rechtsextreme Gruppen angelockt, die wir nicht hier haben möchten“, bringt es ein Passant auf den Punkt. „Und schon wird auch Dorfmark wieder in die rechte Ecke gerückt.“
Tatsächlich trifft sich der „Bund der Gotterkenntnis“, die sogenannten Ludendorffer, jedes Jahr zu Ostern im beschaulichen Dorfmark. Einige Gastronomen, bei denen die Gruppe mit in der Regel mehr als 100 Personen übernachtet und tagt, begründen ihre Toleranz – schließlich werden die Ludendorffer von den Verfassungsbehörden als rechtsextrem eingestuft – mit der wirtschaftlichen Notwendigkeit in dieser Jahreszeit. Ein Argument, das bei Professor Dr. Hans-Jürgen Sternowsky (Kreis-SPD) Kopfschütteln auslöst: „Die anderen Orte sind doch auch nicht leer über Ostern, und da sind keine Ludendorffer. Wir brauchen sie nicht für den Tourismus.“ Annette Schütz (ebenfalls SPD) bekräftigt: „Es ist kein unausweichliches Muss, diese Leute zu nehmen, sondern eine Entscheidung.“
Bereits zum zweiten Mal ist in diesem Jahr daher der Stand mit Info-Blättern in Dorfmark aufgebaut. „Wir machen so lange weiter, bis sie raus sind“, kündigt Hauptorganisatorin Nicole Ahrens weitere Aufklärungsveranstaltungen an. Ihr Ziel: „Ein Dorf ohne Rassismus, ein Dorf mit Courage.“ Und bevor es zum Ende der zweistündigen Veranstaltung doch noch zu unschönen Szenen kommen kann, kühlt ein Regen- und Graupelschauer die Gemüter wieder ab. Zumindest bis Karfreitag 2009.
Walsroder Zeitung 22.03.2008

2007

Ei, ei, ei, die Osternasen
Von Andreas Speit
Sie seien nicht antisemitisch, auch nicht rassistisch oder gar rechtsextremistisch. Nur einem eigenen Glauben hinge der „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff) e.V.“ (BfG) an. In einem Schreiben verwahrt sich der Vorsitzende der „Weltanschauungsgemeinschaft“, Gunther Duda, gegen „Hetze und Falschinformation“. Der Anlass hierfür ist: Die geplante „Ostertagung“ des Bundes im niedersächsischen Dorfmark stößt auf Proteste.
Seit über 30 Jahren richtet der BfG in dem Luftkurort in der Lüneburger Heide die Tagung aus. An die 150 „Gläubige“ und Freunde kehrten im vorigen Jahr von Karfreitag bis Ostermontag im Hotel „Deutsches Haus“ ein. Meist reisen ganze Familien, vom Opa bis zur Enkelin, an. Mit Politik habe die Tagung nichts zu tun, sagt Gerhard Fuchs, ein Ludendorffer aus dem nahen Haukensbüttel. Auf dem Treffen lauschen die Teilnehmer vermeintlich philosophischen und religiösen Vorträgen.
In diesem Jahr wird unter dem Titel „Was ist deutsch?“ über Friedrich Schiller und unter dem Motto „Weisheiten und Verkehrtheiten“ über Arthur Schopenhauer debattiert. Im Zentrum der Tagung steht jedoch eine Dame: Mathilde Ludendorff. Nicht nur, weil in diesem Jahr der 130. Geburtstag der „Philosophin“ ist. „Der Bund für Gotterkenntnis vertritt die philosophischen Erkenntnisse Mathilde Ludendorffs“, räumt Duda offen ein. Fuchs, der die Internetseite des BfG verantwortet, wird noch deutlicher: „Wir setzen uns alleine für das philosophische Werk Mathilde Ludendorffs ein.“
Mathilde Ludendorff, die im Jahr 1877 geboren wurde und 1966 verstarb, war die Frau des Generals Erich Ludendorff. Zusammen engagierten sie sich bereits in den zwanziger Jahren in der völkischen Bewegung. Damals lernten sie Adolf Hitler kennen. Später brachen sie aber vorübergehend mit ihm.
Ludendorff war Ärztin. Ihr Denken war von antisemitischen Verschwörungstheorien geprägt. Sie wandte die Lehre des Psychiaters Emil Kraepelins, der den Begriff des „induzierten Irreseins“ geprägt hatte, auf die Deutschen an. Diese seien von den Juden irre gemacht worden. Einer „riesigen Verschwörung der Juden“ sei es gelungen, „insbesondere den Deutschen eine Art von Irrsein zu ›indizieren‹“, und zwar mit Hilfe des Christentums, der Freimaurerei und des Sozialismus.
Wichtig sei für Mathilde Ludendorff auch die „Unterscheidung von Licht- und Schachtrassen“ gewesen, schrieb Karl Grampp im Jahr 2004 in Mensch und Maß, der Zeitschrift des BfG. Der immer wiederkehrende Grundgedanke lautet: „Die Rassentugenden mit dem ererbten Gotterleben“ müssten „rein“ bleiben, denn „Blutsvermischung“ führe zum „Volkstod“. Heil brächten hingegen die „Erhaltung der Rassenreinheit und die Pflege des arteigenen Gotterlebnis, der arteigenen Kunst, arteigenen Sitten“.
In der Zeitschrift wird schon mal der Holocaustleugner David Irving wohlwollend besprochen, Artikel haben Titel wie „Multikulturelle Gesellschaft oder Völkervielfalt“ oder „Zum derzeitigen Stand der Forschungen über die Zahl der im September 1939 im polnischen Machtbereich ermordeten Deutschen“. Der BfG, der seine Postadresse im baden-württembergischen Tutzingen hat, gibt an, rund 12 000 Mitglieder zu haben. Der Verfassungsschutz Schleswig-Holstein schätzt allerdings, dass es nur rund 240 sind.
Am Karfreitag werden die „Ludendorffer“ nicht wie in den vergangenen Jahren ungestört im „Deutschen Haus“ tagen können. Auf der Hauptstraße gegenüber dem Hotel ist eine Mahnwache angemeldet. Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Antifa-Initiativen, der SPD und den Grünen ruft zu den Protesten auf. Bereits im vergangenen Jahr forderte ein Bündnis, das Treffen zu untersagen, aber ohne Erfolg. Auch diese Gäste brächten, wie andere Touristen, Geld in die Gemeinde, war nicht nur von Lokalpolitikern zu hören.
Am 15. März dieses Jahres waren sich einige der 80 Besucher der ersten Informationsveranstaltung gegen den BfG nicht sicher, ob man das Spektakel ignorieren solle oder ob Proteste dagegen nötig seien. „Die Ludendorffer sind eine Bedrohung von rechts“, betonte ein Referent, Pastor Jürgen Schnare, der Leiter der evangelischen Arbeitsstelle für Weltanschauungsfragen der Hannoverschen Landeskirche.
Auf ihrer Homepage verklären die Ludendorffer ihre eigene Geschichte. Von der „Verfolgung im Dritten Reich“ wird da gesprochen. Am 9. November 1923 führten Adolf Hitler und Erich Ludendorff den Putschversuch in München an, der Gefreite Hitler missfiel später jedoch Ludendorff, dem General. Im Jahr 1933 wurde die Zeitschrift Ludendorffs Volkswarte zwar verboten. Aber im Jahr 1937 konnten Erich und Mathilde Ludendorff nach einer Aussprache mit Hitler den „Bund für Gotterkenntnis Ludendorff e.V.“ gründen.
Ihre Zeitung Am Heiligen Quell Deutscher Kraft erreichte eine Auflage von 86 000 Exemplaren. Unerwähnt bleibt in der Rubrik „Geschichte des Bundes“ auf der Homepage, dass ihre „Philosophin“ Ludendorff im Jahr 1950 in einem Entnazifizierungsverfahren zunächst als Hauptschuldige und später als Belastete eingestuft wurde. Beflissen verschwiegen wird außerdem, dass der BfG nach 1945 verboten war. 1951 wurde er offiziell neu gegründet, 1961 erneut verboten – wegen Verfassungsfeindlichkeit. Nach Jahren des Rechtsstreits hob 1977 ein bayerisches Verwaltungsgericht das Verbot wegen Verfahrensfehlern auf.
Bis heute unterhalten Anhänger des Bundes die „Ahnenstätte Hilligenloh“ nahe dem schleswig-holsteinischen Hude. Zur Einweihung des privaten Friedhofs war im Jahr 1932 Erich Ludendorff persönlich angereist. Zwei große Steine neben dem Einganstor sind Erich und Mathilde Ludendorff gewidmet – der „Schöpferin“ und dem „Wegbereiter der Gotterkenntnis“.
An Ostern bleiben die Ludendorffer in Dorfmark nicht nur im Tagungshaus. Gern flanieren sie in ihren Trachten durch den Ort: die Damen in langen Röcken, Jungs in Knickerbockerhosen und mit Kurzhaarschnitt und Mädchen mit Röcken und geflochtenen Zöpfen. Vielleicht werden sie in diesem Jahr von den Anwohnern etwas skeptischer betrachtet. Duda fürchtet bereits, wegen der „unhaltbaren Behauptungen“ könne „die Hemmung zur Gewaltanwendung gegenüber Teilnehmern der Veranstaltung“ sinken.
Jungle World 04.04.2007